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Rede zur Einweihung der Heinrich-von-Kleist-Skulptur, geschaffen von Helmut Berger, am Donnerstag, 4. Oktober, auf dem Platz der deutschen Einheit

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

gerne waren die Hammer Freimaurerloge „Zum hellen Licht“ und der Verein Kunst-Kultur-Humanität bereit, dabei zu helfen, dieses neue Kunstwerk von Helmut Berger auf dem „Platz der deutschen Einheit“ zu ermöglichen.

Denn gewürdigt wird damit niemand Geringeres als einer der größten deutschen Dramatiker: Heinrich von Kleist, der – bei aller Zwiespältigkeit seiner Person – in seinen Werken auch Ideale der Freimaurerei vermittelt: Humanität vor allem, aber auch die Gleichheit der Menschen – und immer wieder den Appell an die Toleranz in damals intoleranter Zeit.

Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Religionen. Standesdünkel sind ihnen fremd.

Genau das sind Themen, die Heinrich von Kleist immer wieder in den Mittelpunkt seiner Schriften gerückt hat. Ebenso wie den Menschen – und sei es in seinem Streit mit der Obrigkeit. Der führt letztlich auch dazu, dass von Kleists Protagonisten zwar für Gerechtigkeit streiten, letztlich aber übers Ziel hinausschießen – wie Michael Kohlhaas.

„Zum hellen Licht“ heißt die Hammer Freimaurerloge seit ihrer Gründung im Jahre 1791.
„Licht“ - das ist auch ein lebendiges Symbol im „Zerbrochenen Krug“.
Wir erinnern uns: In diesem Lustspiel ist es ausgerechnet der Dorfrichter Adam, der über ein Vergehen richten soll, das er selbst begangen hat und es leugnet. Den Gegenpart zum Dorfrichter übernimmt der Gerichtsschreiber Licht, der Tugenden der Freimaurerei verkörpert:
Gerechtigkeit vor allem, aber auch Unbestechlichkeit, Pflichtbewusstsein und Bescheidenheit.

Oder nehmen wir die Tragikomödie „Amphytrion“: Sie macht die Erkenntnis des Ichs zum Thema und stellt eine zufriedene Selbstgewissheit in Frage. Auch das sind Dinge, an denen Freimaurer arbeiten.

Ob Heinrich von Kleist selbst Freimaurer war, ist unbekannt, auch wenn er in seiner Erzählung „Magister Dunkelklar“ schreibt: „Ich klopfte an die Türe durch alle Tonarten, ich klopfte selbst den Freimaurerakkord, aber niemand rief ,Herein!'“

Diese Novelle schrieb Heinrich von Kleist acht Tage vor seinem Freitod. Dieser Freitod im Jahre 1811 versinnbildlicht ebenso wie das Leben vieler Personen in seinen Werken die Zwiespältigkeit des Seins.
Genau das spiegelt dieses zweiteilige Kunstwerk von Helmut Berger in idealer Weise mit seiner Positiv- und seiner Negativform. Die Leere dazwischen scheint ein Appell zur Selbsterkenntnis, ein Auftrag zur Vervollkommnung des eigenen Lebens.

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